Stoische Affirmationen
Stoische Affirmationen für innere Ruhe, in den Worten der Stoiker
Die Stoiker haben keine Affirmationen über den Frieden geschrieben, wohl aber gesagt, wo er zu finden ist: Marc Aurel schreibt, man könne sich jederzeit in die eigene Seele zurückziehen, und nennt Seelenruhe nichts anderes als die gute Ordnung des Geistes. Seneca und Epiktet fügen hinzu, dass kein Ortswechsel sie verschafft und dass man sie damit bezahlt, nicht mehr zu wollen, was nicht bei uns steht.
In den Texten
Marc Aurel · Meditations, IV, 3
For nowhere either with more quiet or more freedom from trouble does a man retire than into his own soul, particularly when he has within him such thoughts that by looking into them he is immediately in perfect tranquillity; and I affirm that tranquillity is nothing else than the good ordering of the mind.
Marc Aurel · Meditations, VII, 28
Retire into thyself. The rational principle which rules has this nature, that it is content with itself when it does what is just, and so secures tranquillity.
Seneca · Letter 28, §4
The person you are matters more than the place to which you go; for that reason we should not make the mind a bondsman to any one place.
Epiktet · Enchiridion, XII
For it is better to die with Hunger, exempt from Grief and Fear, than to live in Affluence with Perturbation: and it is better your Servant should be bad, than you unhappy.
Kapitel 3 des vierten Buches der Selbstbetrachtungen beginnt mit den Zufluchtsorten, die Menschen suchen: Landhäuser, Meeresküsten, Berge. Marc Aurel antwortet, es stehe jederzeit in der Macht des Menschen, sich in sich selbst zurückzuziehen, und nirgends finde er mehr Ruhe als in der eigenen Seele. Dann bestimmt er das Wort: Seelenruhe ist nichts anderes als die gute Ordnung des Geistes. Der Rest des Kapitels zählt die kurzen Grundsätze auf, zu denen man zurückkehrt: Menschen tun Unrecht unfreiwillig, die Dinge berühren die Seele nicht, alles wandelt sich. Das Kapitel hat seine eigene Seite, in der englischen Übersetzung von George Long (1862): Meditations, IV, 3.
Buch VII, Kapitel 28, fasst denselben Gedanken in drei Zeilen: Der Weg führt nach innen, denn der leitende Teil der Seele genügt sich selbst, wenn er gerecht handelt, und gewinnt so die Ruhe (Hegemonikon). Frieden ist in diesem Satz die Folge gerechten Handelns, keine Stimmung, die man unmittelbar herstellt (Meditations, VII, 28).
Senecas achtundzwanzigster Brief an Lucilius antwortet einem Freund, der weit gereist ist und die Schwermut seines Geistes dennoch nicht loswird. Seneca zitiert Sokrates: Warum wunderst du dich, dass das Reisen nichts nützt, wenn du dich selbst immer mitnimmst? Seine eigene Antwort, oben zitiert, stellt die Person vor das Reiseziel. Später im selben Brief heißt es, der Weise ertrage ein stürmisches Leben, wähle es aber nicht, und ziehe den Frieden dem Krieg vor (Letter 28).
Epiktet nennt den Preis in Kapitel XII des Handbüchleins, in dem oben zitierten Satz, der den Hunger gegen einen verstörten Geist abwägt und den Hunger vorzieht. Wenige Zeilen weiter nennt er die kleinen Verluste des Haushalts den Kaufpreis der Seelenruhe. Die Ruhe, die die Stoiker Ataraxie nennen, wird nicht von den Umständen geliefert; im Handbüchlein erwirbt man sie, indem man aufhört zu wollen, was nicht bei uns steht.
Warum das keine positive Affirmation ist
Eine beruhigende Affirmation ist ein Satz, den man wiederholt, um ein Gefühl der Ruhe hervorzurufen. Die Passagen oben verlangen keine Wiederholung, und keine behauptet, dass man in Frieden ist, weil man es sagt. Marc Aurel beschreibt einen Rückzug, der darin besteht, einige Grundsätze durchzugehen; Seneca behandelt die Unrast als Fehler, den man von Ort zu Ort mitnimmt; Epiktet nennt einen Preis.
Die stoischen Texte stellen den Frieden an das Ende eines Gedankengangs, nicht an den Anfang eines Rituals. Die Ruhe folgt, wenn der Geist geordnet und sein Urteil richtig ist; ein Satz, der nur besänftigt, ohne das Urteil zu ändern, lässt die Unruhe dort, wo Marc Aurel sie im selben Kapitel verortet: in der Meinung, die man sich von den Dingen bildet (Innere Zitadelle).
Begriffe im Glossar
- Ataraxie — ἀταραξία (ataraxia)
- Hegemonikon — ἡγεμονικόν (hēgemonikon)
- Innere Zitadelle — ἀκρόπολις (akropolis)
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